Erdbebeneinsatz in Iran 26. bis 30.12.2003

Im Mai 2003 bestand die Search and Rescue Unit Voralrberg ihre Feuertaufe nach einem furchtbaren Erdbeben in Nordalgerien. Damals dachte wohl kein Mensch daran, dass innerhalb desselben Jahres - bereits nach sieben Montaten - eine weitere furchtbare Naturkatastrophe rund 35.000 Menschenleben kosten würde.

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich am 26. Dezember die Meldung über ein schweres Erdbeben in der Stadt Bam, im Iran. Von Stunde zu Stunde ließen die Nachrichtensendungen erkennen, dass das Ausmaß dieser Naturkatastrophe unsere menschliche Vorstellungskraft bei weitem übersteigen wird. Diese Nachrichtenmeldungen und die Erinnerung an den Einsatz in Algerien alarmierte die Helfer der SARUV.
Am 26. Dezember um 10.30 Uhr begann mit Alarmierung der Kommandogruppe die Planungsphase zum Projekt II der SARUV. Jede Stunde wurde genutzt um sich optimal auf einen möglichen Einsatz vorzubereiten. Dabei stellten sich die beim ersten Einsatz in Algerien gewonnenen Erfahrungen als sehr wertvoll dar. Anhand der bestehenden Geräteliste, Medikamentenliste und der Liste über die erforderliche Verpflegung wurde die gesamte Ausrüstung mit einer beachtenswerten Routine zusammengestellt. "1.200 kg und kein Kilogramm mehr, das ist eine Menge, die wir jederzeit selber verladen können und somit die notwendige Flexibilität gibt, "sagt Markus Lorenzi, Teamleader SARUV.

Einsatzbefehl

Um 17.30 Uhr erhielt die SARUV den offiziellen Einsatzbefehl. Dieser Startschuss bedeutete für die Mannschaft geeignete Transportmittel zu suchen. Bei dieser Aufgabe war der eng bemessene Zeitrahmen ein sehr großes Problem. In 2,5 Stunden (nach 20.00 Uhr wurde der Flugbetrieb bei den meisten Flughäfen eingestellt) war es an diesem 26. Dezember nicht möglich, bei den Flughäfen in Altenrhein, Zürich, Friedrichshafen, Stuttgart, München und Innsbruck ein geeignetes Flugzeug zu chartern. Da für den 27. Dezember eine Aussicht bestand, von Wien aus den Transport zu organisieren, entschloss sich die SARUV zu einer Bahnfahrt quer durch Österreich. Die 1.200 Kilogramm Ausrüstung, in handlichen Zargesboxen, wurde kurzerhand auf das neue Transportfahrzeug des Landesfeuerwehrverbandes verladen und in einer "Non-Stop-Aktion" von Rankweil nach Wien transportiert. Am Morgen des 27. Dezember wurden die Helfer der SARUV von Feuerwehrkameraden unter der Führung OBR Franz Rath sehr herzlich empfangen und bis zu Abflug ausgezeichnet betreut.
Rund 27. Stunden nach dem Start des "Projektes II" hob "Thomas Cook", so die plakative Beschriftung des Flugzeuges, vom Flughafen Wien-Schwechat ab. Während des Fluges studierten die Helfer der SARUV ihre umfangreichen Reiseunterlagen.
Jedes Mitglied der SARUV erhält bei Reiseantritt zu einem internationalen Einsatz eine Mappe mit Kartenmaterial, Wetterinformationen, Informationen über das Schadensausmaß soweit bekannt, Allgemeine Informationen über das Land u.v.m. "Es ist für jeden Helfer von großer Bedeutung, dass er im Vorfeld über das Einsatzgebiet so viel Informationen wie möglich erhält und sich somit ein Bild von dem machen kann, was ihn möglicherweise erwartet", sagt Teamleader Lorenzi. Buchstäblich vergeht die Zeit wie im Flug. Um 18.00 Uhr setzt das Flugzeug "Thomas Cook" auf der Landespiste in Kerman, eine Stadt rund 180 Kilometer von Bam entfernt, auf.

Verlegung ins Katastrophengebiet

Entladen der 1.200 Kilogramm schweren Ausrüstung und die Organisation eines geeigneten Transportmittels sind Aufgaben, die die Helfer aus der Ruhephase, die während des Fluges möglich war, herausreißen.
Zur Überraschung aller steht für die Reise auf der Straße ein komfortabler Reisebus, wie wir auch bei uns kennen, zur Verfügung.
Nach einer Fahrt von 2,5 Stunden ist rund 6 Kilometer vor der Stadt Bam verkehrsbedingt absoluter Stillstand. 4,5 Stunden - dann geht es in die Stadt an der berühmten Seidenstraße. "Eine beeindruckende, schöne und sicherlich lebenswerte Stadt muss dass vor den schrecklichen 30 Sekunden gewesen sein", meint Lorenzi Markus im Gespräch mit der Österreichischen Feuerwehr".

Lageeinweisung

Am 28. Dezember um 05.00 Uhr in der Früh wird das vorübergehende "Zuhause" der SARUV erreicht. Rund 43 Stunden nach dem Startschuss für den Hilfeeinsatz befindet sich die SARUV im eigentlichen Einsatzgebiet.
Vier Stunden nach Ankunft wird die Arbeit vor Ort nach einer Einsatzbesprechung aufgenommen. Es gibt keine Pläne, es gibt keine Einsatzleitung. Nach einer Stunde steht dann doch ein provisorischer Einsatzplan zur Verfügung. Es ist eine händische Skizze, auf der die Suchdestrikte eingeteilt werden.
Der Rote Halbmond - das ist das Türkische Rote Kreuz, ist sehr gut organisiert. Zelte, Decken, Trinkwasser in Tankfahrzeugen und Behälter und eine Vielzahl mit Singnalkollern gekennzeichneten Helfer des Roten Halbmondes unterstützen die internationalen Hilfskräfte. Die Verständigung wird über einen Dolmetscher, der die deutsche Sprache sehr gut beherrscht, organisiert.
Mit rund 50% kann man sich mit deutscher Sprache durchschlagen und rund 50% ist mit englischen Sprache zu bewältigen, wobei auffallend viele einheimische Frauen ein ausgezeichnetes Englisch sprechen.

Enorme Zerstörung

Das Ausmaß der Zerstörung ist erschreckend, wenn man in einzelne Straßenzüge blickt. Radlader und Bagger bahnten sich Wege durch die von Lehmziegeln übersäten Straßen. Die Bauweise der Gebäude mit Lehmziegeln und Kuppeldächern prägen dieses Land, wie z.B. die Holzbauweise das Land Vorarlberg prägt. Ein Erdbeben der Stärke 6,3 nach Richter lässt dieser Bauweise keine Chance, was die Bilder unschwer beweisen. Die Helfer der SARUV können nur noch Tote orten und bergen. Eine zermürbende Aufgabe, die von der starken Staubentwicklung beeinträchtigt wird. 15 Grad Celsius während des Tages und Temperaturen um den Gefrierpunkt in der Nacht sind verhältnismäßig angenehme Arbeitstemperaturen. Eine sehr wichtige Säule dieses Einsatzes stellen die mitgenommenen Satellitentelefone dar. Mit diesen Geräten kann der unbedingt notwendige Kontakt zur Heimat aufrecht erhalten werden. "Ohne diese Infrastruktur sind solche Einsätze kaum zu bewältigen", stellte Teamleader Lorenzi fest.
Die Gemeinschaft und der Zusammenhalt in der SARUV wird von Feuerwehrleuten, Mitglieder der Bergrettung und einem Arzt - bei diesem Einsatz von LFA Dr. Peter Spöttl - beispielhaft gelebt. Jeder bringt sein Wissen und seine Qualitäten ein und aus diesem Grund formt sich die homogene und leistungsfähige Truppe, die autark alle geforderten Aufgaben erfüllen kann.

Am 29. Dezember werden die Such- und Bergeaufgaben von 07.00 Uhr Früh bis 17.00 Uhr Abends ununterbrochen fortgesetzt. Straßenzug um Straßenzug wird abgesucht und nach getaner Arbeit gekennzeichnet, damit ein mehrfaches Absuchen unterbunden werden kann. Am Abend des zweiten Einsatztages herrschte gegen 18.00 Uhr große Aufregung. Der Präsident des Iran, Kathami, besucht die internationalen Helfer vor Ort und bedankte sich persönlich für deren Einsatz.

Ende des Einsatzes

Langsam, aber sicher zeichnet sich ein Ende des SARUV- Einsatzes ab. 43 Stunden Vorbereitung und Anreise, 18 Stunden Such- und Bergeeinsatz, 13 Stunden Heimreise - eine nüchterne Zeitbilanz, die nicht das Engagement, die nicht das erlebte Leid vor Ort und nicht die Menschlichkeit von internationalen Hilfseinsätzen erfassen kann.

Derartige Einsätze aufgrund von nüchternen Zahlen zu beurteilen wäre nicht richtig. Es ist auch nicht ausschließlich ein Erfolgskriterium, wie viel Lebendbergungen bei derartigen Einsätzen zu verzeichnen sind. Was auch zählt ist die Hoffnung, die den leidgeprüften Menschen bei solchen Naturkatastrophen durch die internationale Katastrophenhilfe gegeben wird - Hoffnung, dass das Leben weitergehen wird - durch die Hilfe von Menschen für Menschen.

Erdbebeneinsatz in Marokko 24. bis 27.02.2004

Dienstag, 24. 2. 2004

Nach der Alarmierung durch die Bundeswarnzentrale in Wien begannen die Vorbereitungsarbeiten für den Einsatz. Sehr rasch standen die Teammitglieder fest, auch das Material, sowie die Verpflegung war schnell verladefertig. Der größte Zeitaufwand erforderte die Lösung des Transportproblems. Hier versuchten wir über verschiedene Stellen Transportkapazitäten zu bekommen. Gegen 01:30 Uhr teilte uns die Bundeswarnzentrale mit, dass ein Flugzeug der Berlin Air gechartert wurde und uns um 06:45 Uhr am Flughafen Zürich abholt. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits ebenfalls 2 Angebote für einen Transport nach Marokko vorliegen (Rega Zürich und Jet Aviation Zürich).

Mittwoch, 25. 2 2004

04:45 Abfahrt von Rankweil Ausweichquartier FW Rankweil Untere Bahnhofstrasse nach Zürich Airport. Während der Fahrt wurde uns von Wien mitgeteilt, dass sich die Ankunft der Air Berlin Maschine voraussichtlich um ca. 1 Stunde verzögern wird

06:30 Ankunft beim Airport Zürich Verladen des Equipment und Warten auf die Ankunft vom Flugzeug aus Wien

08:55 Start mit der Air Berlin nach Marokko, das Flugzeug wurde bereits nach Tanger umgeleitet. Tanger liegt ca. 250 km westlich der Stadt Al Hoceima

Kontaktaufnahme bereits im Flugzeug mit dem Arbeiter Samariterbund, Einsatzleiter Ralf Ebhardt

10:45 Ankunft auf dem Airport Tanger, Marokko. Zeit ist –1 Stunde MEZ, ab hier gilt die marokkanische Ortszeit.
Da der Weg von Tanger ins Erdbebengebiet eine Busfahrt von ca. 8 Stunden bedeuten würde, wurden seitens der Botschaft und des Ministeriums alle Hebel in Bewegung gesetzt um uns einen Weiterflug nach Al Hoceima zu ermöglichen. Es erreichte uns auch die Meldung, dass Herr Hinteregger Peter, Polizei Attache vom BMI, an der Botschaft in Rabat, auf dem weg zum Flughafen ist und uns bei unserem Einsatz unterstützen wird.
Warten auf Landerechte.

12:25 Weiterflug nach Al Hoceima

13:05 Ankunft am Airport Al Hoceima


Es wurde sofort mit den örtlichen Behörden Kontakt aufgenommen um sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen. Herr Hinteregger hat seinen marokkanischen Mitarbeiter Herrn Chegdaly Abdel mitgebracht, der perfekt deutsch spricht. Die Kommunikation mit den örtlichen Verantwortlichen vereinfachte sich dadurch wesentlich. Während den ersten Gesprächen kam es zu einem kleinen Nachbeben, was alle in Schrecken versetzt hat. Die Anspannung und die Angst vor weiteren kräftigen Nachbeben ist deutlich zu spüren. Eine der ersten Fragen die aufkamen war, was in den Alukisten drinnen ist und was davon da bleibt. Es wurde den Verantwortlichen mitgeteilt, dass wir ein Such- und Rettungsteam sind und wird das Equipment in den Kisten für diese Mission benötigen, es daher nicht vorgesehen ist, Equipment zurückzulassen. Es wurde uns mitgeteilt, dass in der Stadt Imzurem die Einsatzleitung der Protection Civil ist, dort sollten wir genauere Informationen erhalten. Die Bereitstellung von einem Bus und einem LKW verlief problemlos. Während den Entladetätigkeiten gingen der Teamleader mit Dolmetscher auf die Suche nach der Einsatzleitung der Uno, welche noch nicht vorhanden war, lediglich ein Franzose Herr Benedittini verstand sich als Einsatzleiter und meinte, wir sollten Richtung Süd/West fahren und „mal schauen“. Weiters wurden auch andere Teams befragt, wobei keine klaren Angaben zu erhalten waren.

14:05 Abfahrt gemeinsam mit ASB mit einem Bus und einem LKW Richtung Süden nach Imzurem zur Einsatzleitung der Protection Civil

14:20 Fahrt durch Imzurem, vereinzelt Schäden an den Gebäuden, teilweise komplett eingestürzte Häuser. Die Protection Civil teilte uns mit, dass keine Personen vermisst sind und sich auch keine unter den Trümmern befinden. Wir waren mit dieser Aussage natürlich nicht zufrieden und wollten ins Landesinnere, wo es nach Angaben von Einheimischen und dem Busfahrer noch schlimm aussieht. Um uns eine Weiterfahrt zu ermöglichen, war ein neuer gültiger Fahrbefehl für den Bus und den LKW notwendig. Die Organisation dieser Befehle ging auf Grund des Dolmetschers sehr rasch. Nach dem Ausstellen der Fahrbefehle teilten uns die Fahrer mit, dass die Fahrzeuge getankt werden müssten. Es wurde eine Tankstelle angefahren, die Rechnung für den Sprit übernahm Herr Hinteregger.

15:30 Fahrt ins Landesinnere nach Ait Kamra, die Fahrt führte uns durch eine sehr ländliche Gegend, vereinzelt sind Häusergruppen zu sehen die zum Teil Beschädigungen aufwiesen.

16:10 Ankunft in Ait Kamra. Ait Kamra ist eine sehr große, weitläufige Ortschaft. Am Ortsrand standen Bagger bereit und es wurden für das Militär Zelte aufgestellt. Der Bürgermeister dieser Ortschaft kam zu uns in den Bus und hielt eine kurze Ansprache „Danke für die Anwesenheit, die Gemeinde hat alle zerstörten Häuser registriert und klassifiziert. Es gibt ca. 200 Todesopfer zu beklagen und eine nicht genaue Anzahl an verletzten Personen. Es sind keine Personen vermisst.“ Da er noch viel zu tun hat, kann er uns nicht begleiten und wünscht uns noch viel Erfolg.
Wir fuhren weiter zur nächsten Ortschaft nach Tazagin, bis sich der Busfahrer weigerte die asphaltierte Straße zu verlassen. Wir beschlossen zu Fuß weiter zu gehen.
Unsere Anwesenheit erregte Aufsehen in der Bevölkerung und ein Bauer bat um Hilfe, seine zwei Töchter hätten die Beine gebrochen. Der Arzt aus unserem Team machte sich in Begleitung von weiteren Teammitgliedern auf den Weg. In der Zwischenzeit ging eine weitere Gruppe mit den Suchhunden um die zerstörten Häuser zu besichtigen und eventuell Verschüttete zu suchen. Nach ca. 1,5 km Fußmarsch wurde uns ein Steinhaufen gezeigt und erklärt, dass hier zwei Menschen gestorben sind und keine Personen mehr vermisst werden. Die Bauweise ist aus Stein und Lehm. Einige hundert Meter weiter bot sich das selbe Bild, Steinhaufen, dazwischen Haushaltsgegenstände und die Betten freigegraben. In diesem Haus starben 3 Menschen. Dadurch das in der ländlichen Gegend nur einzelne Häusergruppen sind, weiß natürlich jeder von jedem, wo dieser sein Schlafzimmer hat. So wurden die Opfer noch in der Katastrophennacht mit bloßen Händen ausgegraben. Die Menschen leben unter Plastikfolie mit den übrig geblieben Habseligkeiten neben ihren zerstörtem Häusern.
Der Arzt konnte in der Zwischenzeit 20 Personen untersuchen und behandeln.

18:30 Rückfahrt zum Flughafen ca. 25km
Am Flughafen angekommen wurde mit dem Aufbau des Camps in einer noch übrig gebliebenen Grünfläche begonnen.

20:00 Besprechung mit der UNDAC und den Teamleader der anderen Teams.
Es waren Teams von Spanien, Portugal, Belgien, Italien, Frankreich, Holland u. Luxemburg vertreten. Jedes Team hat über die Ankunftszeit, Teamstärke und die Tätigkeiten am Tag berichtet. Interessanterweise waren auch drei Teams in Ait Kamra. Es wird für morgen 07:00 Uhr eine weiter Besprechung fixiert, um die weitere Vorgangsweise zu besprechen.

Donnerstag, 26.02.2003

07:00 Besprechung mit der UNDAC
Der König von Marokko S.M. König Mohammed VI hat die Suche für beendet erklärt. Es sich auch keine weiteren Suchaktionen für diesen Tag geplant. Nun wird erörtert, was die einzelnen Teams tun können. Es wird jedem Team freigestellt, welchen Tätigkeiten es nachgeht.

08:00 Interne Besprechung mit dem Team was unser Beitrag zur Hilfe sein kann. Es wird beschlossen, wenn wir die Zusage über den Rückflug haben, die Zelte und Lebensmittel zu
verteilen. Die Überlegung war, nochmals in das Dorf vom Vortag zu fahren und die Zelte der Bevölkerung direkt zu übergeben. Nun heißt es warten auf die Bestätigung aus Wien für den Rückflug. Wir nutzten die Zeit, um Kontakte zwischen den verschiedenen Hilfsteams herzustellen und Erfahrungen auszutauschen. Weiters waren Teammitglieder am Flughafen beim Be- und Entladen der Hilfsgüter aus Flugzeugen und Hubschraubern behilflich. Während dem Warten erschütterte ein kräftiges Nachbeben von ca. 4 Sekunden die Erde. Ein Erdstoß in dieser Dimension war für jeden im Team eine neue Erfahrung. Schäden an Gebäuden sind keine entstanden.

11:50 Bestätigung aus Wien, um 17:00 Ortszeit wird das Flugzeug der Austrian Airlines in Al Hoceima landen. Es wurde gleich mit den Vorbereitungsarbeiten für die Verteilung unserer Ausrüstung begonnen. Die Sicherheitslage am Flugplatz spitzte sich immer mehr zu. So wurden LKWs die mit Hilfsgütern beladen waren geplündert. Menschen klettern von allen Seiten auf den LKW, andere legen sich unter die Reifen damit dieser nicht weiterfahren kann. Die Verteilung dieser Güter erfolgte nicht nach Vorstellung der Bevölkerung. Das portugiesische Team, das unmittelbar neben den wütenden Demonstranten die Zelte aufgeschlagen hatte, wurde nicht in die Plünderung miteinbezogen. Die Absperrung mit Bauband war eine Grenze, die von der Bevölkerung respektiert wurde. Die Wut richtete sich nicht auf die Hilfsteams, sondern auf das System der Behörden.
Es wurde uns von der Botschaft mitgeteilt, dass es in der Stadt auch zu solchen Aktionen kommt und ein italienisches Team mitten drinnen festsitzt. Es wird empfohlen, das bewachte Flughafengelände nicht mehr zu verlassen.

13:50 Meldung bei der UNDAC über unsere Pläne. Sie teilen uns mit, dass sie dringend einen Generator zur Aufrechterhaltung der Kommunikationstechnik benötigen. Wir beschließen, einen Generator der UNDAC zu überlassen und übergeben den Stromerzeuger inkl. Reservekanister an Hr. Freystein Sigmundson .
Einer marokkanischen Familie, die ihr vorübergehend neues Zuhause unter Bäumen beim Flughafenparkplatz gefunden hat, konnte mit einem Zelt und Lebensmittel geholfen werden. Weiters hat ein Vertreter vom THW nach Rücksprache mit uns, einen marokkanischen Bekannten mitgebracht, dessen Haus zerstört wurde. Ihm wurde ebenfalls ein Zelt und Lebensmittel überreicht.

16:20 Meldung aus Wien, Flugzeug hat auf Grund Beladeschwierigkeiten Verspätung, neue Ankunftszeit 19:30 Uhr

16:30 Die restlichen Zelte, Lebensmittel und Medikamente wurden gemeinsam mit der zurückgelassenen Ausrüstung vom ASB, an die Protection Civil übergeben, welche die weitere Verteilung der Hilfsgüter übernimmt. Die Übergabe erfolgt im Zelt des ASB, wo Herr Major Mustafa Touil, Leiter der Protection Civil, die Hilfsgüter entgegennahm und gleich zwei Bewacher zurück lies.

17:00 Eine weiter Demonstration zieht ans uns vorbei. An der Spitze wird ein Bild hochgehalten und immer wieder den Satz „Ihr seid die Verantwortlichen“ wiederholt.

18:50 Mitteilung, das AUA- Flugzeug wurde nach Nador umgeleitet. Nador liegt südöstlich ca. 100km entfernt. Es werden nun verschiedene Möglichkeiten geprüft um das Flugzeug nach Al Hoceima zu bekommen oder wir mit der Ausrüstung nach Nador.

19:00 Wir haben dann erfahren, dass es mit der Maschine der AUA am Airport in Nador zu einem Zwischenfall gekommen ist und diese nicht mehr für den Rückflug eingesetzt werden kann. Nun wurde es schwierig, nicht nur wir sondern auch der ASB hat die Zelte und Lebensmittel hergegeben. Zudem wird am nächsten Tag der Airport Al Hoceima wegen dem hohen Besuch des Königs gesperrt.
Der General von der Gendarmerie Royal hat uns ermöglicht, mit einer Militär Transportmaschine nach Nador zu fliegen, um uns am nächsten Tag von dort abholen zu lassen.

21:50 Start mit einer Herkules Transportmaschine nach Nador

22:40 Ankunft in Nador. Der Gouverneur hat uns empfangen und ein Hotel mit Abendessen organisiert. Die Bemühungen um unser Wohl sind sehr groß.

0:55 Ankunft im Hotel RIF Nador, gemeinsames Abendessen mit der Austrian Airlines Crew


Freitag, 27.02.2003

07:00 Frühstück, die Planankunft von 08:20 Uhr konnte nicht eingehalten werden, da die nötigen Überflugs- und Landerechte noch nicht vorhanden waren.
Stadtbesichtigung

10:45 Fahrt von einem Vorauskommando und der AUA-Crew zum Airport um die Entladung vom defekten Flugzeug vorzubereiten. Die Beladung bestand aus alten Decken und sonstigen Tüchern, die bei uns den Eindruck einer Entsorgung hinterlassen haben. Diese Hilfsgüter waren nicht flugzeuggerecht lose im Laderaum verstaut. Nun ist uns auch die Verspätung vom Vortag klar.

13:30 Das Ersatzflugzeug aus Wien landet in Nador. Wir waren bei der Beladung des Flugzeuges behilflich

16:20 Abflug in Richtung Heimat

19:10 Ankunft in Zürich wo wir bereits von den Kameraden der Feuerwehr Rankweil und der Bergrettung empfangen wurden.

Einen besonderen Dank gilt es dem Polizei Attache des Innenministeriums an der Botschaft in Rabat, Herrn Hinteregger Peter und seinem Mitarbeiter Herrn Chegdaly Abdel, für den unermüdliche Unterstützung zu sagen.

Mannschaft:

Markus Frick, Michael Seidl, Manfred Summer, Hans Lampert, Dr. Robert Spiegel, Herbert Knünz, Dolmatcher Mahammed Karlheinz Häsele, Dietmar Mathis, Hermann Bachmann, Roman Preg, Wilfried Ammann, Thomas Lins, Günter Dullnig, Christoph Rüscher

Erdbebeneinsatz in Algerien vom 23. bis 26.05.2003

Im Herbst 2001 wurde auf Initative des Landesfeuerwehrverbandes und der Bergrettung eine Einsatzgruppe für internationale Hilfseinsätze ins Leben gerufen. Die Kombination von Feuerwehr (technische Hilfeleistung) und Bergrettung (Suchhunde) zeigte schon bei den ersten gemeinsamen Übungen auf, dass eine Bündelung der Stärken jeder Organisation eine Grundlage für ein erfolgreiches Projekt darstellen kann.

Seit Gründung der SARUV standen Übungen und Planungsaufgaben im Vordergrund. So nahmen die Mitglieder der SARUV das Erdbeben vom 1. Mai 2003 in der Türkei zum Anlass, sich auf ihren ersten internationalen Hilfseinsatz vorzubereiten.

„Wir haben gemeinsam Unterlagen erarbeitet, auf deren Grundlage wir jederzeit bereit gewesen wären ins Katastrophengebiet entsendet zu werden“ sagt Markus Lorenzi, Leiter der SARUV.
„Eine ausgezeichnete Übung war es auf jeden Fall und wir haben dabei sehr viel lernen können“, so Lorenzi weiter.

Zu diesem Zeitpunkt ahnte keiner, dass rund 20 Tage nach dem Beben in der Türkei eine neue Katastrophe Not und Elend in die Region um Algier bringen wird.

Bereits am Mittwoch den 21. Mai, nachdem die Schlagzeilen in den Nachrichten das Ausmaß dieses Bebens erahnen ließ, waren die Mitglieder der SARUV wieder in der Planungsphase. Jederzeit wurde mit einer Anforderung gerechnet.

Zweieinhalb Tage nachdem die Erde bebte, ertönten die Pager der SARUV
„Einrücken ins Gerätehaus – Erdbebeneinsatz in Algerien“.
Mit dieser Meldung wurde am Freitag den 23. Mai während der Mittagszeit die Planungsphase zur Umsetzungsphase. Eine Vorlaufzeit von rund sechs Stunden musste genügen um alle geplanten Schritte in die Praxis umzusetzen.

Viele Helfer haben die 11 Feuerwehrleute und 3 Hundeführer bei ihren Vorbereitungsarbeiten unterstützt. Um 19.15 Uhr flogen die Mitglieder der SARUV vom Flughafen Altenrhein nach Wien.

Von Wien aus starteten alle Helfer aus Österreich nach Algerien um ihren Beitrag zur Linderung von Not und Elend leisten zu können.
Am Sonntag den 25 Mai teilte Ing. Hubert Vetter via Satelittentelefon mit „Es geht uns gut, wir haben die Nacht von Samstag auf Sonntag gut verbracht“ so die erlösende Mitteilung an die Landeswarnzentrale, die als Drehscheibe in der Heimat diente.

Die Rückkehr der österreichischen Helfer kündigte sich schon im laufe des Sonntags an. Auf Montag den 26. Mai wurden Vorbereitungen für den Empfang der SARUV getroffen, wollte man doch diesen ersten Hilfeinsatz entsprechend anerkennen.

Beim Empfang in der Landesfeuerwehrschule Vorarlberg erkundigten sich in vielen Gesprächen Sicherheitslandesrat Ing. Erich Schwärzler und der Bürgermeister der Marktgemeinde Rankweil, Hans Kohler, aus seiner Gemeinde stammen 11 Helfer die sich an diesem Einsatz beteiligt haben, über die Erlebnisse der SARUV Mitglieder.

„Die Erfahrungen was für einen derartigen Hilfseinsatz an Material mitgenommen werden muss war für uns sehr wertvoll“ sagt Ing. Manfred Bischof, der als Teamleiter der SARUV diesen Einsatz leitete. „Das gemeinsame Arbeiten auf den Trümmerhaufen haben wir zu Hause mehrfach geübt, aber die Hitze, das Verhalten der Bevölkerung und die zur Verfügung stehende Infrastruktur waren für uns neue Erfahrungen, die unsere zukünftige Arbeit im Rahmen der SARUV wesentlich beeinflussen werden“ sagt Ing. Manfred Bischof weiter.

„Die Gewissheit, dass wir gemeinsam mit polnischen Einsatzkräften ein kleines Mädchen am Samstag lebend retten konnten rechtfertigt unseren Einsatz und macht uns bewusst zu welchem Zweck die SARUV gegründet wurde“ so Ing. Bischof abschließend.

Die 14 Vorarlberger Helfer haben im Rahmen des österreichischen Hilfskontingentes einen internationalen Beitrag geleistet. Das Ziel eine schlagkräftige Gruppe von Spezialisten zu formen, die autonom ihre zugewiesen Aufgaben rasch, flexibel und unbürokratisch erledigen kann, ist mit der Feuertaufe in Algerien erreicht. Ein Ausbau bzw. ein Feinschliff dieses Zieles erfordert für die Zukunft weiterhin eine fundierte Ausbildung, eine Verbesserung der technischen Ausstattung und motivierte Mitglieder von Bergrettung und Feuerwehr.